Skin Picking: Mit diesen Tipps kann man es sich abgewöhnen!
Skin Picking abgewöhnen: Ursachen, Tipps und Therapie
REDAKTION, 05. NOVEMBER 2025 | AKTUALISIERT AM 07. MAI 2026
Hinter harmlosem Pickel ausdrücken kann auch mehr stecken
Hinter dem Ausdrücken eines Pickels steckt manchmal mehr als eine schlechte Angewohnheit. Skin Picking – medizinisch Dermatillomanie – ist eine psychische Störung, bei der Betroffene einen zwanghaften Drang verspüren, an der Haut zu zupfen, zu kratzen oder Pickel auszudrücken, oft bis Wunden oder Narben entstehen. In diesem Artikel erklären wir, was Skin Picking von normalem Pickel-Ausdrücken unterscheidet, welche Ursachen dahinterstecken und welche Schritte wirklich helfen, es Schritt für Schritt loszuwerden.
Große Poren sorgen dafür, dass das Hautbild ungleichmäßig und unrein erscheint. Mit Hilfe von Hausmitteln und etwas Geduld lassen sich große Poren verkleinern, sodass die Haut ebenmäßiger und jünger erscheint.
Was ist Skin Picking – und wann wird es zur Störung?
Der Begriff „Skin Picking" kommt aus dem Englischen: skin bedeutet „Haut", to pick „zupfen" oder „kratzen". Der medizinische Fachbegriff lautet Dermatillomanie oder englisch Excoriation Disorder. Es handelt sich um eine Impulskontrollstörung, die vom Diagnostischen Manual psychischer Störungen (DSM-5) als eigenständige Erkrankung anerkannt ist.
Der ausschlaggebende Unterschied zwischen einer gelegentlichen Angewohnheit und einer behandlungsbedürftigen Störung liegt im Kontrollverlust und den Folgen: Wer gelegentlich einen Mitesser ausdrückt, leidet nicht unter Dermatillomanie. Wer aber wiederholt und unkontrolliert an der Haut manipuliert – auch ohne sichtbare Unreinheiten, trotz Wunsch aufzuhören, und trotz sichtbarer Hautschäden – bei dem kann eine Störung vorliegen.
Die Folgen reichen von entzündeten Hautstellen und Narbenbildung bis hin zu starken seelischen Belastungen: Scham, Schuldgefühle und sozialer Rückzug sind häufige Begleiterscheinungen.
Viele Betroffene merken lange nicht, dass ihr Verhalten über eine normale Angewohnheit hinausgeht. Typische Warnzeichen sind:
Wiederkehrende Wunden oder Krusten an denselben Stellen – häufig im Gesicht, an Armen oder der Kopfhaut. Zwanghafte Gedanken, Unebenheiten oder Pickel „beseitigen" zu müssen.
Innere Anspannung vor dem Zupfen und kurzfristige Erleichterung danach – gefolgt von Scham oder Schuldgefühlen.
Kontrollverlust: Der Wunsch aufzuhören ist da, aber das Verhalten wiederholt sich dennoch.
Unbewusstes Skin Picking – beim Lesen, Fernsehen oder Telefonieren, ohne es aktiv zu bemerken.
Wenn Hautstellen nicht heilen, weil sie immer wieder bearbeitet werden, oder wenn das Verhalten das soziale Leben oder die Lebensqualität einschränkt, sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.
Welche Ursachen hat Skin Picking?
Die Ursachen sind komplex und meist psychisch bedingt. Selten steckt nur ein einzelner Faktor dahinter – häufiger wirken mehrere zusammen:
Stress und innere Anspannung: Skin Picking wirkt für viele Betroffene wie ein Ventil – es verschafft kurzfristig Erleichterung. Langfristig verstärkt es den Zwang aber.
Perfektionismus: Der Wunsch nach „makelloser Haut" kann dazu führen, dass jede Unebenheit als störend empfunden und zwanghaft bearbeitet wird.
Langeweile oder Unterforderung: Viele berichten, dass Skin Picking besonders in ruhigen, unstrukturierten Momenten auftritt.
Körperwahrnehmungsstörungen: Ein verzerrtes Körperbild oder geringes Selbstwertgefühl können den Zwang verstärken.
Neurobiologische Faktoren: Forschungsergebnisse deuten auf ein Ungleichgewicht im Serotoninsystem hin – ähnlich wie bei Zwangsstörungen.
Begleiterkrankung: Dermatillomanie tritt häufig gemeinsam mit anderen psychischen Erkrankungen auf, darunter Zwangsstörungen, Depressionen, Angststörungen oder Trichotillomanie (zwanghaftes Haareausreißen).
Warum ist Skin Picking gefährlich?
Betroffene gehen oft unbewusst sehr grob mit ihrer Haut um – mit Fingernägeln, aber auch mit Hilfsmitteln wie Pinzetten oder Nadeln. Das Ergebnis: offene, entzündete Wunden, die nicht heilen können, weil sie immer wieder bearbeitet werden.
Körperliche Folgen können sein: dauerhafte Narbenbildung, bakterielle Infektionen, starke Blutungen und in schweren Fällen sogar eine Blutvergiftung (Sepsis).
Ebenso schwerwiegend sind die seelischen Folgen: Viele Betroffene verbergen ihre Hautverletzungen unter Make-up oder Kleidung und ziehen sich aus sozialen Situationen zurück. Scham und Schuldgefühle können die psychische Belastung erheblich verstärken und einen Teufelskreis aus Anspannung, Skin Picking und Scham in Gang halten.
Wie kann man sich Skin Picking abgewöhnen?
Der wichtigste Schritt ist, Skin Picking als psychische Störung anzuerkennen – und sich professionelle Unterstützung zu suchen. Ergänzend können folgende Maßnahmen im Alltag helfen:
1. Kognitive Verhaltenstherapie und Habit-Reversal-Training
Die wirksamste belegte Behandlung ist die kognitive Verhaltenstherapie (KVT), insbesondere das Habit-Reversal-Training (HRT). Dabei lernen Betroffene, das Verhalten bewusst wahrzunehmen, eigene Auslöser (Trigger) zu erkennen und alternative Handlungen zu entwickeln – etwa Hände auf den Schoß legen, Fäuste kurz ballen oder etwas in die Hand nehmen. Mit der Zeit wird die automatisierte Handlung umgelernt und der Drang nimmt ab.
2. Medikamentöse Unterstützung
In bestimmten Fällen können Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) Zwangsimpulse verringern. Sie ersetzen keine Therapie, können sie aber sinnvoll ergänzen. Die Entscheidung trifft immer ein Arzt.
3. Stress aktiv reduzieren
Da Stress einer der häufigsten Auslöser ist, helfen Entspannungsmethoden wie Yoga, Meditation, Atemübungen, Spaziergänge oder Progressive Muskelentspannung dabei, das Stresslevel zu senken und den Drang zum Skin Picking zu reduzieren.
4. Auslöser erkennen – Tagebuch führen
Ein Tagebuch oder eine App kann helfen, Muster zu erkennen: Wann tritt der Drang auf? Welche Gefühle gehen voraus? Was hat geholfen, ihn zu stoppen? Das Bewusstsein über diese Muster ist ein wichtiger erster Schritt zur Verhaltensänderung.
5. Trigger im Umfeld reduzieren
Typische Auslöser sind helles Licht oder Vergrößerungsspiegel im Bad, lange Hautpflege-Routinen, emotionale Belastungen oder unbewusstes Sitzen ohne Beschäftigung. Hilfreich kann sein: schwächeres Licht im Bad, weniger Zeit vor dem Spiegel, Pinzetten aus dem Badezimmer entfernen.
6. Hände beschäftigen
Wenn der Drang aufkommt, helfen Ersatzhandlungen, die die Hände beschäftigen: Fidget Toys, Stressbälle, Stricken, Kneten oder Zeichnen. Das Ziel ist es, den Impuls umzulenken – ohne die Haut zu berühren.
7. Kleine Fortschritte anerkennen
Skin Picking abzugewöhnen ist ein Prozess, der Zeit braucht. Rückschritte gehören dazu. Wichtig ist, sich für kleine Fortschritte bewusst zu belohnen und geduldig mit sich selbst zu bleiben.
An welchen Arzt kann man sich bei Skin Picking wenden?
Der erste Ansprechpartner ist oft der Hausarzt oder Dermatologe – er kann andere Hauterkrankungen ausschließen und bei Bedarf an einen Psychotherapeuten überweisen. Dort kann eine gezielte Verhaltenstherapie eingeleitet werden.
Viele Krankenkassen übernehmen inzwischen Therapiekosten für Zwangsstörungen oder unterstützen Selbsthilfegruppen. Es lohnt sich, bei der eigenen Krankenkasse nachzufragen.
Hautpflege bei Skin Picking
Eine sanfte, regelmäßige Hautpflege ist bei Skin Picking aus zwei Gründen wichtig: Sie unterstützt die Heilung bereits entstandener Wunden und Entzündungen – und sie reduziert sichtbare Unebenheiten, die als Trigger wirken können.
Empfehlenswert sind nicht-komedogene, reizarme Produkte ohne Alkohol oder starke Duftstoffe.
Beruhigende Salben mit entzündungshemmenden Eigenschaften – wie die Biovolen Aktiv Harzsalbe – können dabei helfen, entzündete Stellen zu beruhigen und den Heilungsprozess zu unterstützen.
Pimple Patches auf häufig betroffenen Stellen schützen die Haut mechanisch und erinnern gleichzeitig daran, die Hände wegzunehmen.
Kurze Nägel zu halten ist eine einfache, aber wirksame Maßnahme, um Verletzungen zu minimieren.
Skin Picking ist eine ernstzunehmende, aber gut behandelbare psychische Störung. Mit professioneller Unterstützung – insbesondere kognitiver Verhaltenstherapie – und bewussten Alltagsveränderungen können Betroffene den Zwang schrittweise kontrollieren und die Haut langfristig heilen. Je früher man handelt, desto leichter fällt die Verhaltensänderung. Wer glaubt, betroffen zu sein, sollte offen mit dem Arzt oder Psychotherapeuten sprechen – ohne Scham, denn Dermatillomanie ist eine anerkannte Erkrankung mit wirksamen Behandlungsmethoden.
QUELLEN
Lochner C, Roos A, Stein DJ. Excoriation (skin-picking) disorder: a systematic review of treatment options. Neuropsychiatr Dis Treat. 2017;13:1867–72.
American Psychiatric Association. Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5). 5th ed. 2013.
Grant JE, Chamberlain SR. Trichotillomania and Skin Picking Disorder. Am J Psychiatry. 2016;173(9):868–74.
Selles RR et al. Cognitive-behavioral therapy for body-focused repetitive behaviors. J Obsessive Compuls Relat Disord. 2018.
Lina Mattern
Nach Abschluss ihres Studiums an der Hochschule Kempten hat sich Lina privat und beruflich mit Themen aus der Gesundheits-, Fitness- und Beautybranche befasst. Seitdem recherchiert und schreibt sie Blogartikel in dieser Branche und ist Expertin im Beauty- und Gesundheitsbereich. Neben dem Schreiben von aktuellen und ausführlich recherchierten Artikeln, betreut sie auch Social Media Kanäle, die sich um Tipps rund um Schönheit und Gesundheit drehen. Die Blogartikel und der Content orientieren sich dabei immer an der aktuellen Forschungslage.
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