Azelainsäure gegen Akne: Ist sie schädlich für die Haut?

Azelainsäure gegen Akne: Ist sie schädlich für die Haut?

REDAKTION, 09. NOVEMBER 2022

Stresspickel loswerden

Azelainsäure wird unter anderem zur medizinischen Behandlung von Akne eingesetzt. Doch schadet sie der Haut womöglich?

Säuren haben sich bei der Behandlung von Hautproblemen wie Unreinheiten, Pigmentflecken und Falten längst einen Namen gemacht. Zu den bekanntesten Säuren zählen Salicyl- und Fruchtsäure. Während die Azelainsäure lange Zeit nur als verschreibungspflichtiges Medikament zur Behandlung von Hautkrankheiten wie Akne und Rosazea eingesetzt wurde, hat sie mittlerweile auch in die Kosmetik Einzug gefunden. Doch ist Azelainsäure gut für die Haut oder kann sie sogar schädlich sein? Erfahren Sie in diesem Artikel Nützliches zu Wirkung, Anwendung und Nebenwirkungen von Azelainsäure.

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Große Poren sorgen dafür, dass das Hautbild ungleichmäßig und unrein erscheint. Mit Hilfe von Hausmitteln und etwas Geduld lassen sich große Poren verkleinern, sodass die Haut ebenmäßiger und jünger erscheint.

Was ist Azelainsäure?

Azelainsäure gehört nicht zu den bekannten AHA (Alpha-Hydroxy-Säuren) oder BHA (Beta-Hydroxy-Säuren), sondern zu den sogenannten Dicarbonsäuren. Natürlich kommt Azelainsäure in Weizen, Roggen und Gerste vor. Für die Verwendung in Kosmetika und Medikamenten wird Azelainsäure normalerweise künstlich hergestellt, um einen stabilen und hochwirksamen Wirkstoff zu erhalten. In ihrer Struktur ähnelt Azelainsäure den Fettsäuren des Körpers, weshalb sie besonders leicht in die Haut gelangt.

Es gibt Cremes, Gels und Seren mit Azelainsäure. Seit den 1980er Jahren wird Azelainsäure zur medikamentösen Behandlung von Erkrankungen der Haut wie Akne und Rosazea eingesetzt. In geringeren Dosierungen wird Azelainsäure als Wirkstoff gegen fettige und unreine Haut verwendet. Während eine hochdosierte Creme oder ein Gel etwa 15 bis 20 % Azelainsäure enthält, sind in Kosmetikprodukten Dosierungen von maximal 10 % enthalten. Als Arzneimittel ist Azelainsäure rezeptpflichtig, gering dosierte Produkte sind dagegen frei im Handel zu kaufen.

Wie wirkt Azelainsäure?

Als Inhaltsstoff von Creme, Seren oder Gels kann Azelainsäure in der Hautpflege sehr vielfältig eingesetzt werden. Dank der multifunktionalen Wirkung ist Azelainsäure bei zahlreichen Hautproblemen einsetzbar. Auf der Haut wirkt sie wie folgt:

  • verringert Verhornungsstörungen
  • löst abgestorbene Hautschüppchen
  • reinigt Poren
  • beruhigt Entzündungen
  • hemmt das Akne-Bakterium “Propionibacterium acnes”
  • stark antioxidativ, reduziert freie Radikale
  • hellt Pigmentflecken auf

Azelainsäure: Wirkung gegen Akne

Zahlreiche Eigenschaften machen die Azelainsäure zu einem geeigneten Aknemittel. In geringerer Dosierung eignet sich die Azelainsäure auch zur Anwendung bei Pickeln und Mitessern bzw. unreiner Haut.

In erster Linie reduziert Azelainsäure Verhornungsstörungen - sogenannte Hyperkeratosen. Diese sind vermutlich ein Auslöser von Akne. Bei den Betroffenen sterben die Hornzellen in der Oberhaut schneller ab und verkleben miteinander. Gemeinsam mit dem Talg bilden sie so einen Pfropf, der die Poren verstopft. Es entstehen Mitesser und entzündliche Pickel werden begünstigt.

Als Wirkstoff hemmt Azelainsäure die Ausbildung der Hornzellen und sorgt so dafür, dass sich die Hautschüppchen leichter ablösen können. Das Auftreten verstopfter Poren und Mitesser wird so verringert und ein normaler Verhornungsprozess erreicht.

Gleichzeitig wirkt sich Azelainsäure auch direkt auf die Hautflora aus. Entzündliche Pickel und Akne werden häufig vom Bakterium Propionibacterium acnes auf der Haut ausgelöst. Sammeln sich die Bakterien verstärkt in den verstopften Poren, kommt es zu entzündlichen Pickeln. Durch die antibakterielle Wirkung der Azelainsäure wird die Vermehrung der Bakterien gehemmt. Bestehende Entzündungen und Rötungen werden durch den entzündungshemmenden Effekt verbessert.

Nicht zuletzt wirkt sich Azelainsäure förderlich auf die Talgproduktion aus und normalisiert diese. Verstopften Poren und Mitessern wird so vorgebeugt.

Azelainsäure: Wirkung gegen Rosazea (Couperose)

Azelainsäure zählt nicht nur zu den Wirkstoffen, die zur Behandlung von Akne eingesetzt werden. Auch zur Behandlung von Rosazea ist Azelainsäure geeignet. Studien zufolge kann sie das Hautbild verbessern und die Symptome der chronisch-entzündlichen Hautkrankheit verringern. Besonders im papulopustulösen Stadium, bei dem Pickel und unreine Haut in Kombination mit einer dauerhaften Rötung der Haut auftreten, ist die Anwendung von Azelainsäure empfehlenswert.

Azelainsäure: Wirkung gegen Hautalterung

Die Wirkung von Azelainsäure ist auch im Anti-Aging-Bereich von Vorteil. Einerseits wirkt gering konzentrierte Azelainsäure aufhellend und kann dafür sorgen, dass Altersflecken, aber z.B. auch Aknenarben oder Pickelmale langsam verblassen. Andererseits ist Azelainsäure ein starkes Antioxidans: Sie kann freie Radikale unschädlich machen und so einer frühzeitigen Hautalterung mit Falten, Flecken und Augenringen entgegenwirken.

Unser Tipp bei unreiner Haut

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Wie schnell wirkt Azelainsäure?

Da sich der Wirkstoff auf verschiedene Prozesse der Haut auswirkt und diese positiv beeinflusst, kann man nicht schon innerhalb von wenigen Tagen eine Verbesserung erwarten. Bei einer 15- oder 20%-igen Dosierung kann man nach einer Anwendungszeit von etwa 4 bis 6 Wochen mit einer sichtbaren Wirkung im Vorher-Nachher-Vergleich rechnen. Den Erfahrungen zufolge bemerken die meisten Patient*innen eine erste Besserung nach etwa 4 Wochen.

Wie wird Azelainsäure angewendet?

Produkte mit Azelainsäure gibt es in der Drogerie und in der Apotheke. Wie bereits erwähnt, sind die Produkte in verschiedenen Konzentrationen erhältlich. Für gewöhnlich enthält ein rezeptpflichtiges Gel 15 % Azelainsäure, während die verschreibungspflichtige Creme meist 20 % enthält. Die Anwendung und das jeweilige Produkt hängt von der Art der Behandlung und der gewünschten Wirkung ab.

  • 15-20 % Azelainsäure: Bei Akne, Rosazea und stark unreiner Haut ist eine Konzentration von mindestens 15 % besonders effektiv. Wird die Azelainsäure gut vertragen, kann die Konzentration bei Bedarf auch auf 20 % erhöht werden. Da die Haut bei falscher Anwendung stark gereizt und geschädigt werden kann, sind hochdosierte Produkte rezeptpflichtig. Vor der Anwendung ist eine ausführliche Beratung durch einen Hautarzt bzw. eine Hautärztin empfehlenswert. Zur Prävention von Akne oder Rosazea ist Azelainsäure nicht geeignet.

  • < 10 % Azelainsäure: Normale Produkte zur Hautpflege, die unter anderem gering dosierte Azelainsäure enthalten, kann man ohne Rezept in der Drogerie kaufen. Sie können in der täglichen Routine ganz normal verwendet werden und unreine Haut gut pflegen. Neben Azelainsäure sind oft zusätzliche hautpflegende und peelende Inhaltsstoffe wie z.B. Vitamin C enthalten. Durch die geringere Wirksamkeit eignen sich diese Produkte nur bedingt zur medizinischen Behandlung von Hautkrankheiten wie Akne.

Wie oft sollte man Azelainsäure anwenden?

Üblicherweise wird der Wirkstoff ein- bis zweimal täglich dünn auf die betroffene Haut aufgetragen. Die Haut sollte vor der Anwendung mild gereinigt und abgetrocknet werden. Eine geringe Menge Creme oder Gel reicht dabei für das gesamte Gesicht.
Rezeptfreie Produkte sollten für gewöhnlich täglich angewendet werden.

Kann man Azelainsäure und Salicylsäure zusammen anwenden?

Wer Azelainsäure in die Hautpflege integrieren möchte, fragt sich wahrscheinlich auch nach der Kombination mit anderen Wirkstoffen. Manche Wirkstoffe sollte man nicht miteinander verwenden, da sich die Wirkung verringert oder starke Nebenwirkungen wie Hautreizungen auftreten können.

Bisher gibt es keine Forschungsergebnisse, die zeigen, dass die Kombination mit anderen Wirkstoffen oder Hautpflegeprodukten problematisch ist. Daher kann man Azelainsäure und Salicylsäure gut zusammen anwenden. Gleiches gilt für Vitamin C: Die kombinierte Anwendung kann die Ergebnisse sogar verbessern und für ein ebenmäßiges Hautbild sorgen. Außerdem verblassen Pickelmale beispielsweise schneller.

Wer ein verschreibungspflichtiges Produkt auf Basis von Azelainsäure verwendet, sollte mit dem Hautarzt bzw. der Hautärztin darüber sprechen, wie sich die Azelainsäure am besten in die Pflegeroutine integrieren lässt.

Ist die Anwendung von Azelainsäure während der Schwangerschaft schädlich?

Die Studienlage hinsichtlich der Verwendung von Azelainsäure während der Schwangerschaft oder Stillzeit ist nicht ausreichend. Daher sollten Schwangere und Stillende Produkte mit Azelainsäure nur mit Vorsicht verwenden.
Säuglinge sollten keinesfalls mit der eingecremten Haut in Kontakt kommen, da die empfindsame Kinderhaut stark gereizt werden kann.

Welche Nebenwirkungen hat Azelainsäure?

Besonders bei Beginn der Therapie kann es bei der Anwendung von hochdosierter Azelainsäure zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen. Sehr häufig sind Nebenwirkungen wie Brennen, Juckreiz und Schmerzen am Auftragungsort.
Häufig kann es außerdem zu Ausschlag, Schuppen, Missempfindungen, starker Trockenheit und Wassereinlagerungen kommen. Normalerweise sind diese Nebenwirkungen nur vorübergehend und klingen wieder ab, sobald die Haut sich an den Wirkstoff gewöhnt hat. Das Auftreten von Nebenwirkungen ist generell abhängig von der Konzentration und der jeweiligen Formulierung.
Nur in seltenen Fällen kommt es zu allergischen Reaktionen.

Kommt es bei der Behandlung mit Azelainsäure zu einer Erstverschlimmerung?

Zu Beginn einer medizinischen Behandlung von Akne oder bei der Verwendung eines neuen Wirkstoffs gegen Hautunreinheiten bemerken viele zunächst eine Verschlechterung des Hautbildes. In diesem Fall spricht man auch vom sogenannten Skin Purging (Entschlackung), das durch die Reinigung der tieferen Hautschichten auftritt.

Bei tiefenwirksamen Inhaltsstoffen wie Azelainsäure ist das ein recht häufiges Phänomen. Durch die zellerneuernden Eigenschaften können verstopfte Poren oder Hautunreinheiten, die sich unsichtbar unterhalb der Hautoberfläche befinden, nach oben gelangen. Zeitweise entstehen dadurch mehr Hautunreinheiten als es normalerweise der Fall ist.
Tatsächlich ist solch eine Erstverschlimmerung aber kein Grund zur Sorge, sondern bedeutet, dass die Behandlung anschlägt und die Haut nicht nur oberflächlich gereinigt wird. Ist die Erstverschlimmerung nach wenigen Wochen abgeschlossen, beginnt die Heilung und das Hautbild verbessert sich erheblich.

Warum ist Azelainsäure rezeptpflichtig?

Hohe Konzentrationen von Azelainsäure kann man nur nach der Verordnung durch einen Arzt in der Apotheke kaufen. Solche Produkte mit Azelainsäure sind rezeptpflichtig, da die unsachgemäße Anwendung zu starken Nebenwirkungen wie Hautreizungen oder anderen Schäden führen kann.
Erhältlich ist die Azelainsäure unter dem Handelsnamen Skinoren.

Fazit

Bei Azelainsäure handelt es sich um eine sogenannte Dicarbonsäure, die überwiegend zur Behandlung von entzündlichen Hautkrankheiten wie Akne und Rosazea eingesetzt wird. Während hochdosierte Produkte (15-20 %) verschreibungspflichtig in der Apotheke zu kaufen sind, gibt es mittlerweile auch Produkte mit Azelainsäure, die sich zur täglichen Hautpflege bei unreiner Haut eignen. Azelainsäure hat ein breites Wirkspektrum und wirkt unter anderem antibakteriell, entzündungshemmend und leicht exfolierend. Auch zur Anwendung bei Altersflecken oder zu Anti-Aging-Zwecken ist Azelainsäure geeignet. Je nach Konzentration kann es vor allem zu Beginn der Anwendung zu Nebenwirkungen wie Rötungen und Juckreiz kommen. Wird die Salbe oder das Gel unsachgemäß angewendet, kann sie schädlich für die Haut sein. Eine Erstverschlimmerung tritt häufig auf - sie ist ein Zeichen dafür, dass die Behandlung anschlägt.

QUELLEN

  • DAZ. (2004). Arzneimittel und Therapie: Azelainsäure jetzt auch zur Rosazea-Behandlung. Deutsche Apotheker Zeitung, 4, 54. https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2004/daz-4-2004/uid-11317
  • Gollnick, H. & Layton, A. (2008). Azelaic acid 15% gel in the treatment of rosacea. Expert opinion on Pharmacotherapy, 9(15), 2699-2706. DOI: 10.1517/14656566.9.15.2699.
  • Webster, G. (2000). Combination azelaic acid therapy for acne vulgaris. Journal of the American Academy of Dermatology, 43(2), 47-50. DOI: 10.1067/mjd.2000.108318